Nachbau von Zündnadeln für Dreyse

 

 

Wer sich heute seine Zündnadeln für die Dreyse'sche Büchsen wieder selbst anfertigen will der sollte sich zuerst klar machen, dass das metrische System zur Zeit von Nicolaus Dreyse noch nicht in Preußen etabliert war. Seit 1755 verwendete Preußen das sogenannte "magdeburgische Maß", das neben "Fuß" und "Elle" auch das "Zoll" als Maßeinheit kennt. Erst ab 1870 ( gesetzlich ab 1872)  wird auf das metrische System umgestellt.

Also wurde zur Entstehungszeit der Zündnadelgewehre noch in Zoll gemessen und daher auch gearbeitet. Zudem waren die Maßeinheiten noch nicht genormt so, dass z. B. ein preußisches Zoll mit 26,15 mm zu Buche schlug, heute aber mit 25,4 mm auf ein Zoll gerechnet wird. Die Gewinde der Nadeln sind also mit unseren genormten Gewindeschneidern, basierend auf dem metrischen System, nicht herstellbar.

Tipp: Bei Wechselräder nachrechnen ob es mit einem weiteren Zahnrad funktioniert, kleinere Wechselräder kosten nicht die Welt.

Wer eine Zündnadel eines M/62 Gewehres überprüft, wird feststellen, dass das Gewinde mit ca. 30 Gängen pro Zoll ausgemessen werden kann. In unserer genormten Industriewelt wird man aber schwerlich ein Gewinde mit 30 Gängen pro Zoll finden. Heutzutage sind aus dem englischen und amerikanischen Raum nur Gewinde mit 28 oder 32 Gängen pro Zoll zu finden. Auch die Tabellen für Wechselräder bei Drehmaschinen die über eine Leitspindel verfügen, sehen kein Gewinde mit 30 Gängen pro Zoll vor.

Eventuell findet man auf alten Maschinen diese Möglichkeit, da in der optischen Industrie früher das Bodemergewinde gängig war, das auch mit 30 Gängen pro Zoll definiert war.

Beim Versuch einen gängigen metrischen Gewindeschneider auf ein solches Gewinde zu drehen z.B. Zündnadel M/62 stellt fest, dass sich ein Schneideisen M5 einige Gänge aufdrehen lässt, bevor das Scheideisen einen Span nimmt. Der Durchmesser ist nahezu identisch und ein Vergleich der Werte (siehe Tabelle) ergibt ähnliche Werte für die Steigung.

Wenn wir einen kleinen Trick anwenden, kann man mit dem Schneideisen für M5 Gewinde eine Nadel nachbauen. Aus einem Messingmaterial (Rundstab mit 6 mm Durchmesser aus dem Baumarkt) kann man sich den hinteren Teil der Nadel drehen und ein Gewinde M5 schneiden. Da es sich aber nicht komplett in die Nadelbüchse einschrauben lässt, hier sind die Steigungen doch zu unterschiedlich, drehen wir einen Teil des Gewindes ab. Wir lassen nur ca. 4 bis 5 Gänge stehen und drehen dann den Rohling in die Nadelbüchse ein, mit etwas Öl und Kraft sollte dies gelingen. Das weiche Messing wird sich soweit dem Gewinde in der Nadelbüchse anpassen, dass nach wiederholtem ein und ausschrauben unser Rohling passt. ...Achtung nicht zu viele Gewindegänge stehen lassen.

Rohling für M/62 mit Gewinde M5, bereits an die Nadelbüchse angepasst. Hier ist bereits der Messingstab für die eigentliche Nadel eingesetzt.

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Anschließen das Teil mit dem Gewinde fertig stellen, also ablägen, hinten rändeln und vorne die Bohrung für den nächsten Teil anbringen, wenn nicht bereit geschehen. Das nächste Stück ist ein Messingstab von minimal 2 bis maximal 3 mm Durchmesser, der vorne wieder eine Bohrung für die eigentliche Nadel erhält. Die Bohrung und die Nadel so auswählen, dass sie gut durch das Nadelrohr oder die Aptierungsplatte passt (1 mm bis 1,2 mm). Die beiden Messingteile sollen zusammen 140 mm lang werden.

 

 

Im letzten Arbeitsgang werden die drei Teile zusammengelötet, dies kann mit normalem Weichlot (Elektronikerbedarf) erfolgen. Die Nadel wird erst zum Schuss auf das gewünschte Maß gekürzt und angespitzt. ich lasse immer einige Millimeter Übermaß und passe meine Nadeln dann an die Patronen an.